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Krankheitssymptome der maskierten Tuberkulose von Dr. med. Willy Bircher, 1945 "... Wir haben uns hier vor allem mit den Früherscheinungen der Tuberkuloseinfektion zu befassen, mit Symptomen also, welche auch dann schon auftreten, wenn eine Erkrankung mit Hilfe der Röntgenstrahlen und des Hörrohrs noch nicht nachgewiesen werden kann. (...)
Der Husten beginnt mit einem verstärkten Räuspern, wie bei chronischem Rachenkatarrh. Später treten einige Hustenanfälle auf, besonders in der Frühe nach dem Aufstehen und beim Betreten eines rauchigen Zimmers.
Oft entsteht infolge chronischen Luftröhrenkatarrhs, der durch die Lungenwurzeldrüsen-Tuberkulose genährt wird, eine fortwährende Absonderung von hellem grünem, mit Staub vermischtem Schleim, lange schon bevor Tuberkeln sich in der Lunge ansiedeln.
Die Tuberkulinwirkung führt oft zu
abnorm starker Schweißbildung, die als "kalter Schweiß" vom Patienten als lästig
empfunden wird, kalte Füße und kühle, klebrige Hände verursacht.
Nicht selten führt die lymphatische Tuberkulose zu abendlichen Temperaturerhöhungen, zumal nach Anstrengung und kräftiger Bewegung. Dieses Fieber wird durch die Giftwirkung des Tuberkulins ausgelöst.
Schon nach den ersten Anfängen der
Tuberkuloseinfektion geht ein katarrhalischer Zustand vieler Schleimhäute
einher.
Die andauernde Entzündung der Nasenrachenorgane - Schwellung der Muscheln und Vergrößerung der Mandeln - sind als Anzeichen kindlicher Skrofulose längst bekannt. Infektionen steigern den Stockschnupfen und behindern die Nasenatmung. Sie können bis zu asthmatischen Zuständen führen. Heuschnupfen konnte Ponndorf durch Hautimpfungen ebenfalls zur Heilung führen. Jugendliches Asthma bis zum Asthma alter Menschen sah er durch Hautimpfung verschwinden.
Im Abwehrkampf gegen eine Infektion wird die Schilddrüse verstärkt beansprucht, sie hat eine größere Menge von Jodeiweißverbindungen herzustellen. Die natürliche Folge hiervon ist, besonders bei knapper Jodzufuhr, eine Vergrößerung der der Drüse. Hinzu tritt die schon früher erwähnte Erkrankung der Gefäße, die Vermehrung des venösen Bluthaushaltes. Aus den Erfahrungen mit den Herdinfektionen kennen wir auch die infektbedingte Schilddrüsenreizung, die oft mit Druck- und Schmerzempfindungen verbunden ist. Es ist beachtenswert, daß Ponndorf bei einem großen Teil der frischeren Kropfbildungen nach 3 bis 4 Impfungen deren Verkleinerung beobachten konnte. Das deutet darauf hin, daß Tuberkulin an der Kropfbildung mitbeteiligt sein kann. Im Verlauf chronischer Tuberkulosen und Kokkenerkrankungen sind oft auch Basedow-Erscheinungen zu beobachten. Daran ist neben Reizungen der Schilddrüse offenbar auch eine toxisch-bakterielle Schädigung der Herz-Innenhaut, der Herzgefäße und des Herzmuskels beteiligt. Bei Stillstand der Infektionen aber Fortdauer der Vergiftung, vielleicht auch unter Mitwirkung der Mischbakterien, die in die tuberkulösen Drüsen eindringen, beginnen sich die Gefäßwände zu erweitern. So entstehen zum Beispiel die Erweiterungen der kleinen Blutgefäße auf Wangen und Nase. Im Venensystem erweitern sich die Gefäßwände im Augenhintergrund, an den Kröpfen, am Mastdarm und an den Unterschenkeln. Ponndorf sieht darin eine Erklärung für die drei Hauptsymptome der Basedowschen Krankheit, Kropf, Herzbeschwerden und vorstehende Augen, sowie vieler Nebenerscheinungen. An einer langen Reihe von Krankengeschichten zeigt er den Heilerfolg der Hautimpfung bei Basedow.
Die Tuberkulinvergiftung beeinflusst die Haut stark und führt zunächst eine charakteristische Gelbfärbung herbei. Die Haut wird dünn und zart, bei sehr langsam verlaufenden Fällen rauh und spröd, namentlich auf der Streckseite der Oberarme und Oberschenkel (Parallelität zu Vitamin-A-Mangel-Wirkung auf die Haut - in der Tat vergrößert die Tuberkuloseabwehr den Vitamin-A-Verbrauch). Hautjucken und Nesselsucht findet man häufig bei latenter Drüsentuberkulose. Frühzeitiges Ergrauen und Ausfallen der Kopfhaare bis Glatzenbildung ist nach Ponndorf als Toxinvergiftung sowohl bei reiner Tuberkulose als auch bei Mischinfektionen sehr häufig. Dagegen trifft man vielfach abnorm starke Haarentwicklung auf Armen, Beinen, Brust und Rücken bis zum ausgesprochenen Haarmenschen.
Die Krankheitserforschung der letzten Jahre ist immer eindringlicher auf die Bedeutung der Nervenzellen und Nervenzentren hingelenkt worden. Um so wichtiger erscheint es mir, wenn Ponndorf in seiner letzten Veröffentlichung, die vor beinahe 20 Jahren erschienen ist, darauf hinweist, daß die Tuberkulinisierung des Körpers auch zu Störungen im Nervensystem führt. Er sagt: auch die Ganglienzellen des Großhirnes nehmen die Bazillengift auf und rufen danach krankhafte Geistes- und Gemütszustände hervor. So hat gelegentlich die Typhusvergiftung sowohl während des Fieberverlaufes als auch in den ersten Wochen der Rekonvaleszenz Geistesstörungen mit Tobsucht, Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen zur Folge. Viel zu wenig hat man bis jetzt den Einfluß beachtet, den die chronische Vergiftung mit Tuberkulin und Kokkengiften z.B. aus Infektionsherden auf ein empfindliches Zentralnervensystem ausübt. Auf Grund seiner Heilerfolge ist Ponndorf zu der Überzeugung gekommen, daß Melancholie, Hypochondrie und Hysterie bei Personen hervorgerufen werden können, welche einen gewissen Grad von Überempfindlichkeit auf Gifte geerbt haben. Erscheinungen wie Benommenheit, Flimmern vor Augen, Lidflattern, Ohrensausen, Bewußtlosigkeit, Ohnmachtsanfälle, Gliedzucken, fliegender Puls, große, kaum reagierende Pupillen, Blausucht (Zyanose), Atemnot, unwillkürlicher Harnabgang, Stottern, Gedächtnisschwäche u.a.m. sind oft mitbedingt durch solche Vergiftung. Starke seelische Erschütterungen werden häufig solche Störungen erst auslösen. Ponndorf beschreibt einen Fall von Epilepsie, der auf einer Streptokokkenvergiftung beruhte und durch Impfung, alle fünf Tage, zur Heilung gebracht wurde. Ein gewisser Grad von Nervenvergiftung drückt sich nach ihm im Symptomenkomplex von Nervenstörungen aus, der als Neurasthenie oder Nervosität bezeichnet wird. Hierher gehören als Krankheitszeichen: Gehirndruck, gewohnheitsmäßiger Kopfschmerz, Migräne, Überempfindlichkeit gegen Schmerz und seelische Eindrücke, Rührseligkeit, Weinkrämpfe, Erbrechen bei Eisenbahnfahrten, Ängstlichkeit, Arbeitsunlust und Mangel an Ausdauer, hartnäckige Schlaflosigkeit….
Viele Nervenentzündungen entstehen auf tuberkulösem Boden, durch Hinzutritt der Streptokokken, und sind häufig Vorläufer eines nachfolgenden chronischen Gelenkrheumatismus. Schwere Schädigungen der peripheren (äußeren) Nerven durch Tuberkulinvergiftungen führen zu Lähmungserscheinungen der durch sie versorgten Gebiete. Der müde Gesichtsausdruck mancher Tuberkulöser wird durch eine lähmungsartige Schwäche beider oberen Augenlider hervorgerufen, die den Augapfel oft bis zur Hälfte bedecken. Häufig ist Gesichtsnerv-Lähmung zu beobachten sowohl bei beginnender Tuberkulose als auch bei Streptokokken-Mischinfektionen. Ähnlichen Ursprungs dürften die Störungen im Gebiet des Vagus- und Sympathikus-Nervensystems sein, welche krankhaftes und lange anhaltendes Gähnen, Schlucksen und wahrscheinlich auch Stottern hervorrufen. Die Einwirkung der Gifte auf die Gefühlsnerven der Haut bewirkt anfänglich Jucken, Kribbeln und Brennen der Haut, später Taub- und Abgestorbensein der Hände und Füße. Auch diese lästigen Erscheinungen werden durch Hautimpfungen oft rasch überwunden.
Die Bakteriengifte, im besonderen die Tuberkuline, greifen das Herz in zwei Richtungen an, einmal indem sie seine Muskulatur zur teilweisen Verfettung bringen, anderseits indem sie die Herzinnenhaut schädigen. In ähnlicher Weise werden die Muskelschicht und die Innenhaut der Blutgefäße beeinflußt. Als erstes Symptom dieser Erkrankung tritt Herzklopfen auf, später Herzschwäche. Die Schlagadern verlieren von ihrer Geschmeidigkeit und neigen zur Verengerung. Dies kann sich in einer Erhöhung des Blutdruckes äußern, welche ein häufiges, besonders deutlich am Tonoszillographen ablesbares Frühzeichen von Bakterientoxinwirkung ist. An den Blutadern (Venen) entstehen Erweiterungen. Es ist eine wertvolle Erkenntnis, daß Krampfaderbildung wesentlich durch Bakterientoxine und besonders durch Tuberkulin bedingt sein kann, und zwar schon zu einer Zeit, in welcher das tuberkulöse Geschehen klinisch noch kaum erfaßt werden kann. (...) Die toxischen Gefäßschädigungen begünstigen die Neigung zur Thrombosebildung, bewirken in manchen Fällen Aderhautentzündung am Auge und verstärken das Frieren und die Blausucht (Zyanose) von Händen und Füßen. Wahrscheinlich hängt auch die Neigung zum Nasenbluten bei skrofulösen Kindern mit dieser Gefäßschädigung zusammen. Nach Ponndorf beobachtet man bei lymphatischer Tuberkulose langandauernde und unregelmäßige Menstruationsstörungen. Die Zwischenzeiten sind dabei entweder verkürzt oder verlängert, die Periode wird schmerzhaft, öfters hört sie für längere Zeit ganz auf. Alle diese Störungen sind auf Durchblutungshemmungen zurückzuführen, und es erweist sich ihre Abhängigkeit von Bakteriengiften dann, wenn sie durch die spezifische Anregung der Gegengiftbildung zum Verschwinden gebracht werden können.
Ponndorf hat durch Tierexperimente festgestellt, daß man durch Vergiftung mit verschiedenen Pilzgiften (Bakterientoxinen) eine außerordentlich schnelle Verfettung und Abnahme der Muskulatur erzielen kann. Damit wird der rasche Muskelschwund bei akuten Infektionskrankheiten erst richtig verständlich. Bisher wollte man ihn mehr mit der mangelhaften Nahrungszufuhr erklären. Unter der Einwirkung der Pilzgifte verfetten die Skelettmuskeln. Die Schädigung der Herzmuskulatur führt zur Erweiterung und Erschlaffung des Herzens. Die Degeneration der glatten Muskulatur fördert die Eingeweidesenkung, die Magenerweiterung, die Wandernierenbildung, die Senkung der Gebärmutter, die Erschlaffung und Erweiterung des Darmes, den Mastdarmvorfall und die Blasenschwäche.
Am Darm macht sich die Einwirkung der Bazillengifte bemerkbar durch die Bildung von Schleimhautkatarrhen, durch Schwächung der Darmmuskulatur und durch Entzündung der Darmnerven. Schon bei Beginn der lymphatischen Tuberkulose verlieren die Kinder den normalen Appetit. Es treten an seiner Stelle (auch bei Erwachsenen) Gelüste nach sauren und pikanten Speisen auf. Nicht selten findet man Aphthen (brennende Bläschen) der Mundschleimhaut. (...) Mit dem Nachlassen der Fortbewegungskraft der Darmmuskulatur tritt hartnäckige Stuhlverstopfung ein. Besteht eine solche, so sollte man nach einer Giftursache suchen. Die Tuberkulinisierung führt oft zu Hämorrhoiden und Mastdarmvorfall. Die Entzündung der Vagus- und Sympathikus-Nervenbahnen, welche durch die Giftwirkung hervorgebracht wird, ist die Ursache von mancherlei kolikartigen Schmerzen in der Magengrube. Diese Schmerzen werden leicht unrichtig gedeutet und geben Anlaß zu unnötigen Operationen.
Im Gegensatz zu den Giftausscheidungen der Streptokokken, die mit Vorliebe die Nieren-Epithelien verfetten, übt das Tuberkulin keine derartige Wirkung aus. Es ruft entzündliche Vorgänge hervor in den kleinen Blutgefäßen der Niere und führt zu chronischer Nierenentzündung. Es kann auch Reizzustände der Keimdrüsen bewirken und so vielleicht die geschlechtliche Frühreife und die Onanie fördern. Startseite:
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